31.05.2021 14:10 Uhr | von Ingo Hagemann

Julia Wachaczyk: Volle Konzentration auf das Doppel

Bielefelderin bei den French Open dabei

© Jimmie48 Photography

Julia Wachaczyk: Doppel hält besser!

St. Petersburg, Bogota, Charleston, Istanbul, Bielefeld! Als wir uns Ende April mit Julia Wachaczyk zum Gespräch verabredet haben, trainiert die 27-Jährige gerade in ihrer ostwestfälischen Heimat. Glück gehabt, den schon wenig später wird sie wieder Richtung Frankreich aufbrechen. Die Linkshänderin hat ein ereignisreiches Jahr hinter sich. Ein großes Ziel für 2021 ist bereits Ende April geknackt.

Im Februar 2020 holt Julia Wachaczyk mit ihrer rumänischen Partnerin Laura Ioana Paar unerwartet zu ihrem größten Erfolg im Tennis aus (Sieg beim WTA-Turnier in Lyon). Zu diesem Zeitpunkt ahnen die Wenigsten, dass kurze Zeit später Corona die Welt im Griff haben wird. Auch deshalb geht der Erfolg irgendwie etwas unter. Für die Ostwestfälin kein Problem. Sie bleibt pragmatisch und versucht die unfreiwillige Auszeit so gut es geht zu nutzen. Sie lässt den Erfolg sacken, kommt in ihrer Heimat zur Ruhe vom stressigen Tour-Alltag. Im Landesstützpunkt des WTV in Kamen kann sie als Trainingspartnerin schon früh wieder erste Bälle schlagen. Die Athletin betont: „So eine richtige Auszeit hatten wir Tennisprofis ja nur im Frühjahr 2020 und beschweren dürfen wir uns sowieso nicht. Ich konnte mir außerdem die Zeit nehmen, um körperlich fit zu werden und um an meinen Schwächen zu arbeiten.“

KraMies als Inspiration?

Die genutzte Zeit schlägt sich auch in den sportlichen Resultaten im Sommer nieder. Bei der vom DTB organisierten Ladies‘ Series bleibt sie in Darmstadt als Nachrückerin im Einzel ohne Niederlage. Mit den Damen vom Tennispark Versmold steigt sie in die 2. Bundesliga auf. Als die French Open in Paris Ende September doch noch verspätet über die Bühne gehen, ist Julia Wachaczyk dabei. Mit ihrer Partnerin ist sie vor Ort. Glücklich rutschen sie als Nachrückerinnen ins Hauptfeld von Roland Garros – Grand Slam-Debüt. Mit einer Niederlage aber wichtigen Erfahrungen und beeindruckt von der Aura der besten Athleten ihres Sports kehrt sie heim. Wenig später verteidigen Kevin Krawietz und Andreas Mies ihren Titel am Bois de Boulogne im Herren-Doppel. Eine Art Inspiration für Julia Wachaczyk? Vielleicht. Irgendwann im Laufe der letzten 14 Monate traf auch die Bielefelderin die bewusste Entscheidung, voll auf die Karte Doppel zu setzen. Und diese Entscheidung zahlt sich aus. Im französischen Cagnes sur-Mer (September 2020) und in Altenkirchen (Februar 2021) holt sie im Doppel Titel Nummer 27 und 28 (!) auf ITF-Niveau. Auch wenn ihr wegen Corona der Weg zu den Australian Open zu Beginn des Jahres verwehrt bleibt, öffnet sich durch diese Erfolge die Tür zu den größeren WTA-Turnieren.

Grand Slams der nächste Meilenstein

Wachaczyk gibt im Gespräch offen und ehrlich zu, „dass der Weg so nicht unbedingt geplant war.“ Doch was ist in diesen Corona-Zeiten schon planbar? Für die Westfalenmeisterin aus dem Jahr 2013 zahlt sich ihre Beharrlichkeit und ihre Geduld aus. Schon zu Juniorenzeiten spielt sie gerne und gut Doppel. Sie fügt hinzu: „Ich bin momentan sehr glücklich über die Entscheidung und Stolz auf die Tatsache, dass ich die Top 100 geknackt habe. Das es so früh im Jahr klappt, hätte ich nicht gedacht.“ In der Weltrangliste stehen im Doppel nur noch Laura Siegemund und Anna-Lena Friedsam vor ihr. Für den Rest des Jahres hat sie mit dem erreichen der Grand-Slam-Turniere weitere Ziele ins Visier genommen. Ob es schon bei den French Open schon so weit ist, hängt von ein paar Faktoren ab. Durch das Erreichen der „magischen“ 100 ist die Wahrscheinlichkeit mit Sicherheit nicht geringer geworden.

Nachgefragt bei Julia Wachaczyk

Du fokussierst dich nun voll auf das Doppel. Wäre das Einzel nicht lukrativer, weil es dort mehr Preisgeld und Aufmerksamkeit gibt?

Das Doppel ist in den letzten Jahren lukrativer geworden. Weil der Erfolg momentan da ist, ich dafür gearbeitet habe und es mir unheimlich viel Spaß macht, ist mir das Doppel momentan einfach wichtiger. Die Einzelkonkurrenzen werden immer mehr Aufmerksamkeit bekommen. Das ist ok.

Sind die Erfolge von Kevin Krawietz und Andreas Mies Inspiration für dich?

Ja, definitiv! Was die Beiden in den letzten Jahren alles erreicht haben (Sieger der French Open 2019 und 2020, Anm. d. Redaktion) ist bemerkenswert. Ich find es auch gut für das Tennis in Deutschland. Ich kenne Andreas von einigen Challenger-Turnieren, wo er angefangen hat. Zu sehen, welchen Weg er eingeschlagen hat und das es klappen kann – manchmal kann ein Turnier alles verändern – hat mir bei meiner Entscheidung weitergeholfen und ist etwas wozu ich aufschaue.

Du hast Partnerinnen, mit denen du häufig zusammenspielst. In den letzten Wochen hast du aber auch mit unterschiedlichen Spielerinnen gespielt. Erkläre uns doch mal wie man auf der Tour zusammenfindet.

Ich habe meistens eine persönliche Beziehung zu den Mädels. Laura Ioana Paar, mit der ich im Februar 2020 in Lyon gewonnen habe, kenne ich seit Jahren und sie ist eine sehr gute Freundin von mir. Genauso Paula Kania-Chodun, mit der ich zuletzt in Bogota und Istanbul zusammengespielt habe und mit der ich auch die kommenden Turniere im Mai angehen werde. Es ist außerdem schön, wenn man sich auch außerhalb des Platzes versteht. Das ist auf der Tour nicht immer so. Wir schreiben uns, sprechen uns ab, planen und dann kommen wir bestenfalls zusammen. Da gehören ein paar Faktoren zu. Es gibt auch Mädels mit denen ich mich sehr gut verstehe, leider spielen wir kein gutes Doppel. Es muss auch vom Spiel passen.

Du hast die Aufgabe Werbung für das Doppel zu machen. Warum sollen die Leute mehr Doppel schauen?

Es passiert immer irgendwas, es wird nie langweilig, das Tempo ist hoch. Jeder Punkt wird taktisch durchdacht. Der „entscheidende Punkt“ bei Einstand oder auch der Champions Tiebreak im 3. Satz erzeugen eine hohe Spannung.

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