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Robert Hampe erhält Sportplakette des Landes NRW

Robert Hampe erhält Sportplakette des Landes NRW

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VON GÜNTER THOMAS (Westfälischer Anzeiger, Ausgabe vom 06.09.2019)
Düsseldorf – Als der Brief aus Düsseldorf ins Haus flatterte, schoss Robert Hampe als erster Gedanke durch den Kopf: Ein Knöllchen. „‘Bist du zu schnell gefahren?‘, hat mich meine Frau gefragt“, erinnert sich der Präsident des Westfälischen Tennis-Verbands (WTV). „Das ist bestimmt ein Strafzettel.“

Um so größer war die Überraschung, als der 69-Jährige nach Öffnen des Briefs die Nachricht vorfand, dass ihm der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW), Armin Laschet, die NRW-Sportplakette – die höchste sportliche Auszeichnung im Land – verliehen hat. Gestern wurde ihm diese im feierlichen Rahmen im Capitol Theater Düsseldorf von der Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt, Andrea Milz, überreicht. „Diese Ehrung macht mich stolz. Nicht so sehr für mich selbst, sondern, weil sie als Anerkennung für das Ehrenamt steht“, sagt Hampe, der seit 50 Jahren in verschiedenen Funktionen für den Tennissport tätig ist – seit 2001 als Präsident des WTV. „Die Leute opfern Nerven und Freizeit – und müssen noch Ärger in Kauf nehmen.“ Den Vorschlag, Hampe die Sporplakette zu verleihen, hat WTV-Geschäftsführer Andreas Plath stellvertretend für den Verband und die IG Tennis eingereicht.
Ein purer Zufall brachte Hampe zum Tennis: Eigentlich als Jugendlicher in der Leichtathletik und beim Fußball unterwegs, hat er als 16-Jähriger gelegentlich beim Feldhandball auf dem Hermann-Juckenack-Platz zugeschaut. „Bis ich gemerkt habe, dass ich fast die ganze Zeit nur durch den Zaun den Spielern auf dem daneben liegenden Tennisplatz zugesehen habe“, erinnert er sich. Wenig später trat er dem TC GW Hamm bei – eine Mitgliedschaft, die er erst nach 50 Jahren und sieben Monaten wieder kündigte.
Mit 19 begann Hampe, sich als Jugendwart in seinem Verein zu engagieren, der Schritt ins Ehrenamt war getan. „Ich wollte etwas aufbauen und habe das zunächst mit Udo Schlickmann gemacht“, sagt er. „Dann war ich 21 Jahre lang bei GW im Vorstand tätig – nie als Vorsitzender. Ich wollte die aktiven Posten.“

Irgendwann kamen Aufgaben in der IG Tennis, dann im Bezirk dazu, ehe der damalige WTV-Präsident Rolf Kreutz anrief und Hampe zunächst als stellvertretenden Jugendwart zum Verband lotste und später fragte, ob der gebürtige Hammer nicht sein Nachfolger werden wolle. „In all den Jahren habe ich mich nirgendwo beworben, bin immer gefragt worden, ob ich etwas mache“, betont der WTV-Präsident, der aktuell auch noch Vorsitzender des DTB-Bundesausschusses ist, in dem die aktuell 17 Verbände des Deutschen Tennis-Bundes vertreten sind.

Hoch dekoriert: Die Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt, Andrea Milz, überreichte Robert Hampe die Sportplakette, links Landes-Sportbund-Präsident Walter Schneeloch, rechts Hamms Bürgermeister Manfred Lindemann © Bild LSB

Zahlreiche Neuerungen sind unter dem Vorsitz des seit 2015 pensionierten Lehrers im WTV eingeführt worden. Und werden es noch: „Wir haben als wichtige Neuerung 2015 die Strukturreform WTV 2020 auf den Weg gebracht, in deren Rahmen die Satzung geändert, die Kreise teilweise aufgehoben und Regeln vereinheitlicht wurden“, sagt er. „Wir bieten den Vereinen Hilfe an. Die Basis steht bei uns im Mittelpunkt. 150 Klubs haben unsere Vereinsberatung in Anspruch genommen. Wir haben die Jugendarbeit verändert – selbst Verbände wie Bayern haben unser Konzept übernommen, in dem wir vier Stützpunkte mit fest angestellten Trainern eingerichtet haben, damit die Kinder lange in ihren Heimatbezirken spielen können.“
Aktuell wird der Internet-Auftritt des Verbands runderneuert. Die Homepage wird ein neues Gesicht bekommen, Auftritte bei allen sozialen Medien sind geplant. Für 2020 ist die Einführung der Tabellenwertung nach Punkten, Sätzen und Spielen geplant, die die Wertigkeit der Doppel in den Meisterschaftsspielen stärken soll, „damit nicht mehr so viele Doppel abgeschenkt werden“. Doppel sollen insgesamt höher gewichtet werden, LK-Klassen leichter erreicht werden.
Die größten Veränderungen der Ära Hampe sind aber der Umzug aus teuer gemieteten in eigene Geschäftsräume und der Bau eines Jugend- und Gästehauses an der WTV-Geschäftsstelle in Kamen (2006). Im Prinzip ein Tennis-Internat, in dem Profis wie Dinah Pfizenmaier oder Daniel Masur groß geworden sind. Seit zwei Jahren ist Kamen DTB-Bundesstützpunkt: Schwerpunkt auf Mädchen zwischen 14 und 16 Jahren.

Vieles ist also angestoßen, doch ein großes Ziel hat Hampe noch, der bis ins Jahr 2000 20 Jahre lang mit dem Heine-Pokal eines der bedeutendsten deutschen Indoor-Turniere organisiert hat: „Das größte ist, den Mitgliederschwund nicht nur zu stoppen“, sagt er. „In diesem Jahr haben wir nach ganz frischen Zahlen nur ein Minus von 0,58 Prozent (Vorjahr: -2,59). Da hoffe ich, dass wir in ein, zwei Jahren wieder ein Plus haben.“
Dass ein ähnliches Turnier wie der Heine-Pokal noch einmal in Hamm installiert werden kann, glaubt der 69-Jährige nicht. „Die Spieler sind viel unterwegs“, sagt er. „Mittlerweile ist es günstiger, irgendwo hinzufliegen, als mit dem Auto durch Deutschland zu fahren.“ Erlebnisse wie die mit einer Spielerin, die als Crash-Fahrerin aus Liebeskummer gleich sieben parkende Autos werkstattreif angetickt hat, bleiben ihm so erspart. „Das erste war ein Porsche“, sagt Hampe. „Damals war das nicht so lustig.“
Ob er wieder den Weg des Tennisfunktionärs einschlagen würde, wenn er noch einmal 19 wäre? „Ich glaube schon, weil ich einfach so eine Tennis-Macke habe“, sagt Hampe, der noch bis März 2021 gewählter WTV-Präsident ist. „Und ich habe als Funktionär unwahrscheinlich viele Leute kennengelernt, die ich sonst nie kennengelernt hätte.“

Ob er sich wieder zur Wahl stellt, weiß er trotzdem nicht. „Alles ist endlich. Man macht sich schon Gedanken, langsam die Funktionärstätigkeit in andere, jüngere Hände zu geben.“ Sollte es so kommen, bliebe ihm immerhin noch die NRW-Sportplakette.

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