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Manon Kruse im Interview: "Weltmeister können sich nicht so viele nennen"

Manon Kruse im Interview: "Weltmeister können sich nicht so viele nennen"

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Nach dem dreifachen Triumph bei der Young Seniors WM in Miami/Florida geht es für die 38-jährige Manon Kruse direkt weiter. Ab Freitag schlägt sie bei den Westfälischen Meisterschaften in Werne auf. Im Interview hat sie die WM noch einmal Revue passieren lassen.

Ja, die Medaille ist echt - Manon Kruse hat gleich drei davon bei der WM in Miami geholt Bild: privat

Wie hast du denn gefeiert – gab es gleich drei Parties?
Manon Kruse:
Also bisher mehr so in mich rein!  Ich hab seit knapp zwei Wochen leider kaum noch eine Stimme, was das laute Singen und Schreien so ziemlich unmöglich macht.
Wir haben natürlich mit allen drauf angestoßen, aber ich denke, die richtige Feier wird noch kommen. Am Schönsten ist doch auf jeden Fall die gemeinsame Feier der Team WM. Da haben wir schon noch was geplant in diesem Jahr. Vermutlich - wenn's klappt - kommen mich die anderen Mädels mal für ein Wochenende besuchen und dann werden wir Frankfurt und Aschaffenburg unsicher machen.
Aber auch der Club TC Bürgerweide Worms hat wohl für seine Spielerin Nina Stepp eine große Sause geplant. Wir anderen drei werden da nach Möglichkeit wohl auch die Party crashen!


Quillt dein Handy und dein Postfach schon über? Über welchen Glückwunsch hast du dich am meisten gefreut?
Kruse: Das kann man schon so sagen. Die Anzahl von Gratulanten ist immer noch ansteigend und durchaus deutlich höher als ich es erwartet hätte.
Ich kann gar nicht sagen, über welchen Glückwunsch ich mich am meisten gefreut habe. Ich glaube, entscheidend ist - und das ist mir das Bedeutendste - dass es viele Gratulanten gab, die sich wirklich richtig für mich gefreut haben und total begeistert von dem Erfolg waren. Und das tut wirklich gut.
Gerührt hat mich wahrscheinlich am Meisten die Aussage von meinem Trainer "Stoffel" Reichert, der gesagt hat: "Das kann keiner von sich sagen, so eine tolle Spielerin trainiert zu haben!" Und wenn ich bedenke, mit welchen Spielern und Spielerinnen er bereits zusammengearbeitet hat, dann weiß ich natürlich, dass er damit nicht nur die Leistung gemeint haben kann.
Außerdem war es sicherlich nett mit anzuhören, wie sich meine Eltern gefreut haben, als ich per Telefon die gute Nachricht überbracht habe. Die Tränen in der Stimme konnten sie nicht verleugnen!

Was bedeuten dir diese drei Titel und wie würdest du sie in deiner Karriere einordnen? Gibt es einen der drei, der die mehr bedeutet?
Kruse:
Titel, Karriere? Also ich weiß ja nicht, ich habe jedenfalls meine Tennislaufbahn nie als "Karriere" betrachtet. Und damit fang ich sicherlich jetzt mit 38 auch nicht mehr an. Dennoch ist es natürlich eindeutig der schönste Titel! Weltmeister können sich nicht so viele nennen. Dreifacher Weltmeister wahrscheinlich nur sehr, sehr wenige. Das macht mich auf jeden Fall stolz. Und wer mich kennt, weiß, dass ich mit mir selber eigentlich nicht so oft zufrieden bin. Nicht, weil ich immer mit mir hadere, sondern eher, weil ich immer denke, dass das alles nicht so was Besonderes ist. Und naja, wenn man sich dann selber als Weltmeister bezeichnen darf, dann kann man wohl nicht umhin, sich einzugestehen, dass man da wohl doch mal was ganz Besonderes geschafft hat.


Mit welchen Erwartungen bist du nach Miami gereist?
Kruse:
Das ist eine sehr gute Frage: Also unsere WhatsApp-Gruppe hatte ich von Anfang an "Team Gold Germany" genannt! Aber um ehrlich zu sein, war ich eigentlich der Meinung, Bronze wäre schon eine gute Sache. Als ich dann gesehen habe, dass wir im Halbfinale auf die Niederlande laufen, hab ich zwar schon gedacht, dass wir sie schlagen können, aber hätte wohl tatsächlich eher mit dem dritten oder vierten Platz gerechnet. Dabei muss man wissen, dass wir in den vergangenen Jahren immer ganz knapp an den Niederlanden gescheitert sind, voriges Jahr sogar trotz eines Matchballes. Also hatten sich die Niederlande schon zu so etwas wie einem Angstgegner entpuppt.
Und das Team der Niederlande war in diesem Jahr keinen Deut schlechter als in der Vergangenheit. Ich würde sogar behaupten, dass sie deutlich besser gespielt haben als im vergangenen Jahr. Aber wir eben auch!

Was kann jetzt noch kommen? Wie geht es für dich in den nächsten Wochen weiter?
Kruse:
Ich mach einfach so weiter wie bisher. Arbeite an meiner Fitness - das war im Übrigen in diesem Jahr ganz eindeutig der ausschlaggebende Faktor für den Erfolg. Zwei Wochen am Stück mit 13 bis 14 Matches bei relativ hoher Luftfeuchtigkeit und immer mind. 26 bis 30 Grad sind schon eine Herausforderung. Ich konnte aber am Ende dieser zwei Wochen für mich überraschend feststellen, dass ich mich überhaupt nicht einen Tag lang müde gefühlt habe. Selbst Muskelkater hatte ich gar nicht. Das lag wahrscheinlich einfach daran, dass es so viel Spaß mit dem Team und den Freunden aus den anderen Ländern gemacht hat; und ich wirklich total entspannt war.
Wie es weitergeht? Ich spiele jetzt erstmal die Damen-Westfalenmeisterschaften. Nach den ganzen Wochen auf Asche ist das nun auf Teppich vermutlich schon Herausforderung genug. Und danach lege ich dann mal eine dreiwöchige Sportpause ein.

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