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Ralf Weber im Interview: „Neue Rasenserie "Road to Wimbledon" verändert die europäische Turnierstruktur“

Ralf Weber im Interview: „Neue Rasenserie "Road to Wimbledon" verändert die europäische Turnierstruktur“

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Dadurch, dass ab 2015 in Stuttgart ein zweites nationales ATP-Tennisturnier auf Rasen stattfinden wird, bekommt auch das bis dato einzige deutsche ATP-Event auf diesem grünen Belag einen neuen Stellenwert. Durch die Terminverschiebung von Wimbledon rücken die GERRY WEBER OPEN ebenfalls eine Woche nach hinten und so wurde die Möglichkeit für Stuttgart geschaffen. Auf Grund dieser Veränderung spricht man heute bereits von einer "Road to Wimbledon", denn diese grüne Serie verändert die europäische Turnierlandschaft. Zumal von Seiten der Haller eine Turnierveränderung angestrebt wird. Aus dem 250er soll künftig ein 500er Event auf der ATP World Tour Series werden und damit wären die GERRY WEBER OPEN das höchstdotierte Tennisturnier in Deutschland. Nachfolgend ein Interview mit dem 49-Jährigen Turnierdirektor Ralf Weber, der ab dem 1. August in den Vorstand des Hauptsponsors, dem Modekonzern GERRY WEBER International AG, aufrückt.

In Deutschland gibt es ab 2015 neben HalleWestfalen dann auch in Stuttgart Rasentennis. Ein Konkurrent für die Gerry Weber Open?
Ralf Weber:
„Von einem Konkurrenten könnte man nur dann sprechen, wenn das künftige Stuttgarter Turnier parallel zu unserem stattfinden würde. Da dies nicht der Fall ist, ist es auch keine Konkurrenz. Im Gegenteil. Durch dieses neue Turnier bekommt die Rasensaison einen wesentlich höheren Stellenwert, als sie es jetzt schon in Deutschland hat. Es war immer der Wunsch der Topspieler, nach den French Open einen längeren Zeitrahmen im Hinblick auf Wimbledon zu haben. Mit der jetzigen Lösung wird dem Rechnung getragen, so dass nun alle davon profitieren: Insbesondere die Top Ten-Profis haben nach Paris eine längere Vorbereitungsphase, die Turnierszene ist um ein weiteres Rasenturnier aufgewertet worden und Wimbledon kann sich auf die Weltelite freuen, die sich in den nun gegebenen neuen drei Wochen optimal auf die  Church Road vorbereiten kann.“

Welche Auswirkung hat die Verschiebung von Wimbledon eine Woche im Kalender nach hinten auf die Gerry Weber Open?
Ralf Weber:
„Für uns entfällt die bange Frage, kommen sie oder kommen sie nicht. Fakt ist, dass sich Stars wie Roger Federer oder Rafael Nadal in Paris immer bis mindestens unter die letzten Vier spielen. Sie haben dann fast vierzehn strapaziöse Turniertage auf Sand mit Matches zum Teil über fünf Sätze absolviert und sind bis an ihre Leistungsgrenze gegangen. In Folge dessen haben wir auch schon die bittere Erfahrung machen müssen, dass sie dann kurzfristig abgesagt haben. Denn sie alle haben nach Roland Garros mit Wimbledon das nächste Grand Slam-Turnier zwei Wochen später in ihrem sportlichen Fokus. So haben wir durch die Terminverschiebung die Sorgen des Bangens minimiert, was wiederum auch wichtig für die Zuschauer und das Fernsehen ist. Die von uns verpflichteten Weltklassespieler kommen.“

Mit der Terminverschiebung könnte ja auch eine Statusveränderung des Turniers einhergehen. Gibt es hier schon seitens der ATP eine Erklärung?
Ralf Weber:
„Die ATP hat zwar in Miami festgelegt, dass Stuttgart ein Rasenturnier bekommt, ob aber die Gerry Weber Open ein 500er-Turnier (Der Sieger erhält 500 ATP-Weltranglistenpunkte anstelle von 250. Anm. Red.) werden, ist dort nicht thematisiert worden. Für mich ist dies dann angesichts der neuen Serie >Road to Wimbledon< und der veränderten europäischen Turnierstruktur aber erforderlich. Dies wird auch so bei der ATP gesehen, wie mir in Gesprächen gesagt worden ist. Von daher gehe ich davon aus, dass dies im Juni in den Meetings in Wimbledon zur Sprache kommen wird.“

Sind die Stuttgarter Organisatoren bereits mit Ihnen in Kontakt getreten?
Ralf Weber:
„Mit Turnierdirektor Edwin Weindorfer habe ich mich schon vor geraumer Zeit ausgetauscht und er hat mir seine Konzeption erläutert.“

Werden Sie Entwicklungshilfe leisten?
Ralf Weber:
„Auch wir waren damals bei unserem Turnierstart sehr froh, dass man uns seitens Wimbledon großzügig unterstützt und geholfen hat. Wenn Stuttgart unsere Hilfe benötigt, dann stehen wir selbstverständlich zur Verfügung.“

Wird die Bedeutung des Rasentennis ab 2015 im Rahmen der ATP World Tour steigen?
Ralf Weber:
„Zunächst müssen wir einmal festhalten, dass unsere Entscheidung vor 20 Jahren ein Rasentennisturnier zu veranstalten, zu einer Renaissance dieses Spielbelags geführt hat. Die dann durch uns initiierte Akzeptanz und Wertschätzung von Rasentennis hat letztlich dazu geführt, dass es fortan eine längere Rasensaison gibt. Insofern bin ich davon überzeugt, dass sich der weltweite Stellenwert weiter steigert. Es gibt dann ab 2015 eine europäische Rasenturnierserie, die in Stuttgart beginnt. Es folgen HalleWestfalen und Queens, und daran schließen sich unmittelbar vor Wimbledon noch s’Hertogenbosch und Eastbourne an.“

In Düsseldorf gibt es im Vorfeld der French Open ebenfalls ein neues Turnier. Ist in Deutschland ein neuer Tennis-Aufschwung spürbar?
Ralf Weber:
Ob dies ein Zeichen von Aufschwung ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Düsseldorf ist ja nicht neu, sondern hat sich lediglich vom Status her von einer Mannschafts-Weltmeisterschaft zu einem ‚normalen‘ Turnier der ATP World Tour Series verändert. Was mich viel mehr erfreut, ist die Tatsache, dass das Turnier in Düsseldorf nicht aus dem Kalender gestrichen wurde. Hier haben sich Turnierdirektion, Sponsoren und mit Rainer Schüttler engagierte Persönlichkeiten an einen Tisch gesetzt und Turniertennis neu definiert. Der Tennissport in Deutschland lebt, wie unter anderem ja auch die Entwicklung in Stuttgart zeigt.“

Die Gerry Weber Open sind das bedeutendste Tennisturnier in Deutschland. Ist das Publikumsinteresse auch bei der 21. Ausgabe ungebrochen?
Ralf Weber:
„Ja. Die Vorverkaufszahlen belegen das enorme Interesse und wir können anhand der Zahlen heute schon davon ausgehen, dass wir sicherlich wieder mehr als 100.000 Besucher haben werden.“

Mit Federer, Nadal und Haas haben Sie drei Giganten im Feld. Besser geht es kaum noch, oder?
Ralf Weber:
„Mit den Verpflichtungen Roger Federer und Rafael Nadal haben wir zwei Weltstars, um die wir beneidet werden. Es gibt weltweit kein Turnier mit unserem Status, die vergleichsweise ein derartig hochkarätiges Teilnehmerfeld aufzuweisen haben. Sie nennen ja nur zwei, drei Namen, aber Spieler wie der kanadische Superstar Milos Raonic - der sein Land mit zwei Siegen am Wochenende in das Davis Cup-Halbfinale bringen konnte - oder Janko Tipsarevic und Japans Tennis-Shootingstar Kei Nishikori gehören allesamt ebenfalls zur Weltspitze. Und was Tommy Haas derzeit spielt, grenzt schon an ein sportliches Wunder. Um auf ihre Frage zurück zukommen, attraktiver geht es für uns nicht mehr.“

Die TV-Präsenz ist gerade für Sponsoren das Salz in der Suppe. Sind Sport1 und das ZDF in diesem Jahr in Halle erneut wieder auf Sendung?
Ralf Weber:
„Erfreulich ist, zumal TV-Tennisübertragungen im Öffentlich-Rechtlichen auch nur noch nach Quoten entschieden werden, dass wir seit unserem Turnierdebüt 1993 immer noch vom ZDF übertragen werden und präsentieren so als einziges nationales Turnier Tennissport der Weltklasse live. Es bleibt dabei, dass ZDF überträgt wieder ein Halbfinale und am Sonntag das Finale. Um aber die Gerry Weber Open einem größeren Publikum zu präsentieren, als es zuletzt bei Sport1 der Fall war, haben wir jetzt Eurosport als neuen TV-Partner an unserer Seite. Die haben sich mit ihren Programmformaten zu einem weltweit renommierten Tennissender entwickelt, übertragen aktuell die Grand Slam-Turniere mit besten Einschaltquoten und garantieren uns so noch mehr öffentliche Wahrnehmung.“


Ralf Weber, Turnierdirektor des ATP-Rasentennisturniers GERRY WEBER OPEN in HalleWestfalen, äußert sich zuversichtlich zur Rasensaison 2015. © GERRY WEBER OPEN (HalleWestfalen).

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