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Jan-Lennard Struff im Interview: "Es passt im Moment alles"

Jan-Lennard Struff im Interview: "Es passt im Moment alles"

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Mit Position 138 hat er seine höchste ATP-Weltranglistenposition überhaupt inne. Im Dezember konnte er seinen Titel bei der DM in Biberach verteidigen, bei den Australian Open scheiterte er nur knapp in der Quali und das Erreichen des Finales der Heilbronn Open vergangener Woche war noch einmal ein echtes Highlight.

Denn auf dem Weg schlug er unter anderem Benjamin Becker (ATP 58). Die Formkurve von Jan-Lennard Struff (Blau-Weiss Halle, Fotos: Uwe Allgeier) zeigt auf jeden Fall noch oben. Was sich der 22-Jährige für 2013 noch zutraut und was sich der BVB-Fan noch von Mats Hummels und Co. abschauen will, verriet der zweifache Deutsche Meister im Interview.

Wie zufrieden bist du mit dem Erreichen des Finales in Heilbronn? Oder überwiegt die Enttäuschung, dass du Berrer nicht noch einmal in die Schranken weisen konntest? Der Sieg gegen Benjamin Becker war ja ein echtes Highlight! Daneben hast du einige schlagen können, die vor dir in der Rangliste standen.
Struff: Allgemein bin ich mit dem Turnier zufrieden, es ist super gelaufen. Mit dem Endspiel war es natürlich schade, das hätte ich auch noch gerne gewonnen. Ich habe jetzt fünf Finals gespielt und immer verloren, das ist natürlich ein bisschen blöd. Aber irgendwann werde ich eins gewinnen und dann passt alles wieder.

Du hattest gegen Berrer ja vor sechs Wochen noch bei der DM gespielt und gewonnen, hatte er sich diesmal einen guten Plan überlegt oder warst du platt?
Struff: Er hat einfach sehr gut gespielt, gut aufgeschlagen und  war besser im Spiel als bei den Deutschen Meisterschaften. Und er wollte auch unbedingt zum dritten Mal dort gewinnen, was vorher noch nie einem Spieler in Heilbronn gelungen ist.

Trotzdem kannst du ja voller Zuversicht nach vorne schauen. In Australien lief es ja auch ziemlich gut für dich, da kam das Aus leider in der letzten Quali-Runde bei den Australian Open. Was nimmst du von deinem zweiten Grand-Slam-Turnier mit?
Struff: Es war wieder eine super Erfahrung. Es war halt schade, dass ich im Quali-Finale verloren habe. Der andere hat auch echt gut gespielt, er hat mehr Druck gemacht und ich kam gar nicht dazu, mein Spiel zu spielen. Ich wollte natürlich gewinnen und mich qualifizieren, aber der war an dem Tag besser.

Auf Facebook haben wir gerade eine kleine Umfrage gestartet, was dir deine Fans in diesem Jahr noch so zutrauen. Da kamen dann Aussagen wie: „Top 100“ oder „Hauptfeld eines Grand Slams“. Wie siehst du das, ist das machbar oder noch sehr weit weg?
Struff: Das ist halt noch ein weiter Weg bis dahin. Ich wäre natürlich froh, wenn ich das schaffen könnte. Aber ich weiß nicht genau, was die nächsten Wochen oder Monate passieren wird.

Du hast ja schon einen riesigen Sprung gemacht, im Sommer wurdest du lediglich auf Position 392 geführt, was ja auch damit zu tun hatte, dass du verletzt warst. Nach Heilbronn bist du schon die Nummer 138. Wie erklärst du dir deinen Erfolg? Hast du irgendwas verändert?
Struff: Ich habe keine Ahnung. Es passt im Moment alles. Meine Eltern unterstützen mich, genau wie Ute (Strakerjahn, d. Red), Stoffel (Christoph Reichert, d.Red) und Nina (Zander, d.Red) auch. Es gibt keinen bestimmten Grund, warum es ruckartig bergauf gegangen ist.

Du bist ja auch großer BVB-Fan. Kannst du auch noch was von deren Erfolg lernen?
Struff: Die spielen immer super, das macht auf jeden Fall Spaß zuzugucken. Wie die sich reinhängen, davon könnte man sich sicher etwas abschauen.

Novak Djokovic ist ja Fan von „Roter Stern Belgrad“ und möchte unbedingt einmal als Spieler für den Club auflaufen. Wäre das auch etwas für dich? Wie sind da deine Fertigkeiten?
Struff: Ich habe in der Jugend mit zwölf Jahren Fußball gespielt. Das war in Ordnung, aber für Dortmund aufzulaufen, wäre natürlich Wahnsinn.

 

"Für Dortmund aufzulaufen, wäre natürlich Wahnsinn"



Dein Vorbild auf dem Tennisplatz ist dagegen nicht Djokovic, sondern Pete Sampras. Was magst du an ihm?
Struff: Ich habe mir gerne angeschaut, wie er gespielt hat. Ich mochte seinen Schmetterball und er kam sympathisch rüber.

Und du würdest gerne einmal gegen James Blake spielen. Dessen Karriere war ja von vielen Ups und Downs gekennzeichnet. Magst du ihn deswegen als Typ so gerne?
Struff: Ich mag ihn einfach, weil er auch sehr sympathisch rüberkommt. Ich habe das Buch von ihm angefangen zu lesen.

Bei den Australian Open hätte es ja dazu kommen können, ihr wart beide in der Quali.
Struff: Das habe ich mir auch schon gedacht.

Hast du ihn da gesehen oder habt ihr mal quatschen können?
Struff: Ich habe ihn einmal kurz in der Players` Lounge gesehen, aber mehr leider nicht.

Wie sieht deine Turnierplanung in diesem Jahr weiter aus? Die Grand Slams sind schon fest eingeplant?
Ja, klar. Nach Nussloch spiele ich Challengerturniere in Bergamo/Italien und Quimper/Frankreich.

Im Moment arbeitet ihr daran, dass dein Spiel noch ein weniger offensiver wird, richtig?
Struff: Von der Taktik kann ich natürlich immer noch etwas lernen, aber das grobe Spielsystem behalte ich schon bei. Und an den einzelnen Schlägen kann man auch immer etwas feilen. Das machen wir dann, wenn ich von den Turnieren zurück bin und wir da eine Schwäche erkannt haben.

Interview: Simone Zettier

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