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Fünf Fragen an French Open Siegerin Sabine Ellerbrock

Fünf Fragen an French Open Siegerin Sabine Ellerbrock

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Die Bielefelderin Sabine Ellerbrock (TC Herford) hat als erste Rollstuhl-Tennisspielerin in Deutschland ein Grand Slam Turnier gewonnen. Bereits bei den Australian Open in diesem Jahr stand sie schon im Finale, verlor dort aber in drei Sätzen gegen die Weltranglisten-Erste Aniek van Koot, die sie im Halbfinale von Roland Garros diesmal bezwingen konnte. Im Endspiel musste sie erneut gegen eine Niederländerin antreten, diesmal gewann sie in drei Sätzen gegen Jiske Griffioen und steht danach mit Platz zwei in der Weltrangliste so hoch wie noch nie. Was die 37-Jährige nach ihrem Triumpf gefühlt hat und wie sie ihre Chancen für Wimbledon einschätzt, beantwortet sie in den anschließenden fünf Fragen.

Dein erster Grand Slam Sieg, und dazu noch der erste einer Deutschen überhaupt - was für Gefühle hat das in dir ausgelöst?
Sabine Ellerbrock: Ehrlich gesagt kann ich es noch gar nicht glauben. Denn aufgrund der ganzen Umstände wie gesundheitliche Probleme und Arbeit hätte ich nie damit gerechnet. Die Momente nach dem Matchball waren sehr emotional. Roland Garros 2012 war das letzte Turnier, bei dem mich eine gute Freundin begleitet hatte, die im Februar diesen Jahres verstorben ist. Aufgrund dieser Erinnerungen und der Bedeutung eines Grand Slams mit den ganz besonderen Rahmenbedingungen, haben mich meine Gefühle nach dem letzten Ball überwältigt - ein sehr intimer Moment und doch sehr öffentlich.

Du wurdest Anfang des Jahres am Fuß operiert, musstest lange aussetzen, und du bist jetzt auch wieder in deinen Beruf als Lehrerin eingestiegen. War vielleicht damit der Druck nicht so groß, dass jetzt der Knoten geplatzt ist?
Sabine Ellerbrock: Ich glaube, dass ich aufrgrund der ganzen Unwegbarkeiten, das Privileg, auf der Tour spielen zu dürfen, noch mehr zu schätzen weiß. Ich genieße jeden Moment auf dem Tennisplatz und empfinde nie negativen Stress, was nicht bedeutet, dass ich nicht nervös war. Vielleicht war das der Schlüssel.

Die "Überspielerin" Esther Vergeer hat ja in diesem Jahr nach zehn Jahren ohne Niederlage ihre Karriere beendet, wie habt ihr Spieler das empfunden? Auch dadurch ist der Weg ja jetzt frei für große Turniersiege...
Sabine Ellerbrock: Natürlich werden dadurch die Turniere spannender, weil nun jeder weiß, dass jeder, jeden schlagen kann. Ich finde es sehr schade, dass Esther aufgehört hat. Denn sie war ein besonderes Aushängeschild für unseren Sport, sehr professionell. Ich selber habe es auch als anreizt gesehen, ihr vielleicht noch näher kommen zu können. Unser letztes Match - beim Einladungsturnier in St. Martin - ging ja über drei Sätze. Aber ich kann ihre Entscheidung natürlich verstehen, hoffe, dass sie dem Rollstuhltennis dennoch erhalten bleibt und wünsche ihr für ihren weiteren Weg alles Gute.

Neben deinen persönlichen Zielen hast du auch immer das Interesse, den Rollstuhl-Tennissport weiter nach vorne zu bringen. Meinst du, ein Grand Slam Titel kann da in dieser Richtung etwas bewegen?
Sabine Ellerbrock: Das hoffe ich! Ich bin offen für Vieles und es wäre schön, wenn durch den Sieg das Interesse am Rollstuhltennis weiter wächst. Vor ein paar Wochen hatte ich des Weiteren die Gelegenheit, ein recht langes Gespräch mit Carl-Uwe Steeb (DTB-Vizepräsident, d.Red.) zu führen. Ich fand dieses sehr positiv und ich hoffe, dass sich auch danach vielleicht etwas bewegt. Ich glaube, vieler unserer Probleme im Behindertensport sind den "Fußgängern"- gerade den Profis - sehr fern und überhaupt nicht bewusst.

In Wimbledon bist du wieder mit Sharon Walraven am Start, in Paris habt ihr erst im Finale verloren, auch in London seid ihr an zwei gesetzt. Wie siehst du dort deine Chancen?
Sabine Ellerbrock: Ich kann unsere Chancen schlecht einschätzen. Sharon ist sehr erfahren und hat schon häufig in Wimbledon gespielt. Allerdings ist sie auch die älteste Spielerin in den Top Ten und das Spiel ist inwzischen extrem schnell geworden. Zuletzt hatte Sharon - wie ich - mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Für mich ist das Spiel mit dem Rolli auf Rasen Neuland, ich denke aber, dass es mir liegen sollte, weil ich eher agressiv spiele und gerne am Netz agiere. Wir verstehen uns gut neben und auf dem Platz, das ist unser großes Plus aber es wird abzuwarten bleiben, ob wir unsere beste Leistung abrufen können.

Interview: Simone Zettier

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