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Dinah Pfizenmaier im Interview: „Das hätte ich mir vorher nie erträumt“

Dinah Pfizenmaier im Interview: „Das hätte ich mir vorher nie erträumt“

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2012 erreichte Dinah Pfizenmaier (Blau-Weiss Halle/Foto: PMTR) bei ihrem Debüt als Qualifikantin die zweite Runde bei den French Open und scheiterte erst an der damaligen Weltranglisten-Ersten Viktoria Azarenka. In diesem Jahr legte die Oerlinghausenerin noch einen drauf, spielte sich von der Quali bis in Runde drei und unterlag nach großartigem Spiel der Weltranglisten-Vierten Agnieszka Radwanska, nachdem sie in der Runde zuvor deren Schwester Urszula (WTA 40) ausgeschaltet hatte. Wieder zurück im Landes-Leistungszentrum in Kamen, trafen wir die 21-Jährige zum Interview. In dieser Woche ist sie beim WTA-Turnier in Nürnberg am Start, trifft dort in Runde eins auf die Italienerin Karin Knapp. Durch ihren Erfolg in Paris ist sie in der WTA-Weltrangliste auf Position 116 geklettert.

Dass die French Open in diesem Jahr noch besser für dich laufen als im vergangenen Jahr, hätte man nicht unbedingt erwarten können, oder – zumal das Jahr bis dahin durchaus seine Aufs und Abs hatte. Mit was für Gefühlen bist du nach Paris gefahren?

Pfizenmaier: Anfang des Jahres hätte ich das auch nicht gedacht. Ich hatte auch das vergangene halbe Jahr ziemlichen Druck, weil ich wusste, dass im Mai die 160 Punkte kommen, die ich verteidigen muss. Vielleicht war das auch im Unterbewusstsein bereits im vergangenen Jahr schon da. Seit Stuttgart ging es dann nur noch bergauf. In Trnava habe ich zwar in der ersten Runde verloren, aber okay gespielt. Von daher bin ich nach Paris mit einem guten Gefühl gefahren, weil ich wusste, dass die letzten Wochen gut waren. Und spielerisch war eine Konstanz da, die das Jahr über gefehlt hatte. Bis auf die erste Runde in der Quali hat sich das dann ja auch bestätigt (grinst).

Was war da los?  

Pfizenmaier: Vor dem Match ging es eigentlich, ich habe mich wieder wie im vergangenen Jahr auf Paris gefreut, aber im Match habe ich schon den Druck gemerkt, dass ich unbedingt die Runde gewinnen will und habe viel zu verkrampft gespielt. Das wird man in so einem Match auch nicht mehr los, da kann man machen, was man will. Ich wusste, ich schlag sie eigentlich locker, sie hatte ein halbes Jahr lang kein Match gewonnen, da habe ich mir richtig einen abgewürgt, aber so eine Runde muss man auch erst einmal gewinnen.

Aber insgesamt hast du dich schon auf Paris gefreut, der Druck war nicht zu groß?

Pfizenmaier: Ab der zweiten Quali-Runde war gar kein Druck mehr da, da habe ich einfach nur noch Spaß gehabt wie im vergangenen Jahr. Mir wäre auch gar nicht viel passiert, wenn die Punkte rausgefallen wären. So kommen noch mehr aufs Konto, umso besser.

Was denkst du mittlerweile über Roland Garros? Würdest du die French Open mittlerweile als dein Turnier bezeichnen?

Pfizenmaier: Ja, würde ich schon sagen, ich habe ja auch erst zwei Mal dort gespielt und es kam noch nicht bei so vielen Turnieren vor, dass ich so weit gekommen bin. Es lag aber auch wirklich an meiner Form in den vergangenen Wochen, die sich immer weiter gesteigert hat. Es hätte jetzt auch irgendein anderes Turnier auf Asche sein können, wo ich genauso gut hätte spielen können.  

Deine Form stimmt derzeit wirklich, die Spielerinnen, die du in Paris geschlagen hast, waren ja keine Schlechten…

Pfizenmaier: Gegen Vera Dushevina in der letzten Runde Quali zu gewinnen, war schon richtig gut, die stand einmal um die 30 in der Welt, dann folgte ein Sieg gegen Mandy Minella, die steht um die 70 und dann ein weiterer gegen Urszula Radwanska, auf Weltranglistenposition 40. Gegen Minella und U. Radwanska war ich einfach die bessere Spielerin.  Das hätte ich mir vorher nie erträumt. Im vergangenen Jahr habe ich mir einfach gesagt, habe Spaß und vielleicht schiebst du einen Lauf, und in diesem Jahr kann ich mir sagen, dass ich einfach auch einmal besser Tennis gespielt habe. Das war dann auch ganz cool.

Und gegen die Weltranglisten-Vierte Agnieszka Radwanska warst du ja auch nicht chancenlos, ein dritter Satz wäre zumindest drin gewesen…

Pfizenmaier: Auf jeden Fall! Ich habe wieder gut gespielt und mein Spiel weiter entwickelt. Ich habe viel mehr nach vorne gespielt und wollte die Punkte machen. Gegen Ana Ivanovic danach war es beispielsweise genau umgekehrt, da hat Radwanska das Spiel bestimmt. Mein Ziel war es, ihr mein Spiel aufzuzwingen. Das hat auch geklappt. Sie stand so weit hinter der Linie wie noch nie. Dann habe ich halt ein paar Chancen liegen lassen, aber deshalb ist sie die Nummer vier der Welt und ich die Nummer 127. Ich war eigentlich rundum zufrieden, auch wenn ich erst ein wenig enttäuscht war, aber das ist ja normal.

60.000 Euro Preisgeld gab es für die dritte Runde, die größte Summe, die du bisher in deiner Karriere verdient hast. Kaufst du dir davon was Schönes?

Pfizenmaier: Nein, denn erfahrungsgemäß bleibt davon am Ende des Jahres nichts übrig.

Für das WTA-Turnier in Nürnberg hast du ja als Belohnung für deine guten Leistungen in Paris eine Wildcard fürs Hauptfeld erhalten. Und danach geht es nach Wimbledon?

Pfizenmaier: Genau, nach Nürnberg spiele ich Quali in Wimbledon und eventuell Hauptfeld (grinst). Und in der ersten Juli-Woche sind schon die Reinert Open in Versmold. Generell werde ich künftig mehr WTA-Turniere spielen. Eigentlich war der Plan ja, dass ich mich mehr auf ITF Turnieren bewege, aber den haben wir jetzt geändert. Das ist ganz cool.

Weil es gerade so gut läuft…

Pfizenmaier: Genau, und weil es viel einfacher ist, Punkte auf der WTA Tour zu machen. Wenn man dort eine Runde gewinnt, zählt das manchmal genauso viel wie ein Turniersieg bei einem 25.000 US-Dollar ITF-Turnier. Das steht in gar keinem Verhältnis.

Aber dein Fokus liegt schon auf Asche, für Wimbledon fällt die Vorbereitung ja quasi aus…

Pfizenmaier: Wimbledon nehme ich gerne mit. Das gibt gute Punkte, wenn man gut spielt, aber mein Fokus liegt auf Asche bis kurz vor den US Open, dann kommt Hartplatz. Und im kommenden Jahr geht es, so früh es geht, wieder auf Asche.

Interview: Simone Zettier

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