Main menu

Daniel Masur im Interview: "Wenn du täglich mit Leuten trainierst, die Grand Slams spielen, verbesserst du dich fast zwangsläufig"

Daniel Masur im Interview: "Wenn du täglich mit Leuten trainierst, die Grand Slams spielen, verbesserst du dich fast zwangsläufig"

Artikelbild: 

Seit vier Monaten wird nun Daniel Masur im Bundesleistungszentrum unter der Führung von Davis-Cup-Caption Michael Kohlmann in München betreut. Sein langjähriger Trainer und WTV-Verbandstrainer Jürgen Listing befragte ihn nach seinen bisherigen Eindrücken.

Daniel, nach deiner Entscheidung, das Förderungsangebot des DTB anzunehmen, ging die Übersiedlung nach München recht zügig von statten. Mal abgesehen davon, dass du jetzt in der Nähe deines Lieblingsfußballvereins wohnst, wie lange dauerte es,  bis Du Dich an deine neue Umgebung gewöhnt hattest?
Daniel Masur:
Nun ja, die ersten Wochen waren auf jeden Fall schwieriger, als ich es erwartet hatte. Das Training war super und es gab viele Aspekte, an denen gearbeitet wurde, nur leider hat sich das nicht direkt in den Ergebnissen widergespiegelt. Zudem war es ungewohnt, immer im Hotel zu übernachten. Immer zwischen Tür und Angel zu sein. Richtig Ruhe und einen komplett freien Kopf hatte ich erst, als ich nach sechs bis acht Wochen eine Wohnung gefunden hatte.

Was unterscheidet München und Kamen in Bezug auf den Trainingsalltag?
Masur: Dadurch, dass wir allein im Profi-Bereich rund 15 Spieler haben, die auch vormittags trainieren, ist natürlich die Atmosphäre eine andere. Wir sind fast alle in einem Alter und ziehen uns gegenseitig hoch – das macht schon Laune. Dementsprechend sind auch mehr Trainer da. Vor allem bei drei Athletik-Trainern kann man sehr individuell arbeiten. Nachmittags kommen dann noch die Schüler hinzu. Es ist also immer viel los.

Im Bundesleistungszentrum ist ein großer Trainerstab. Der Vorteil gegenüber Kamen ist, das Du nun jedes Turnier betreut werden kannst. Wer hat Dich bisher schwerpunktmäßig auf der Tour betreut?
Masur:
Zuständig für mich ist Michael Kohlmann, aber da er im September angefangen zu den US Open musste,  anschließend zum Davis Cup und danach nochmal zwei Wochen unterwegs war, war ich sehr viel mit Markus Wislsperger unterwegs. Es kommt eh oft vor, dass man mal drei bis vier Tage bei einem anderen Trainer trainiert, weil ständig jemand auf Turniereise oder unterwegs ist. Da die Kommunikation unter den Trainern aber sehr gut läuft, ist das für mich persönlich eher gut, als schlecht. Wichtig ist nur, dass die Trainer dir nicht komplett unterschiedliche Sachen sagen und verlangen.

Du hattest bis zu den Großen Meden-/Poensgen-Spielen im September schwerpunktmäßig auf der Future Tour gespielt. Seitdem liegt der Schwerpunkt aufgrund Deiner ATP-Ranglistenplatzierung um 400 auf der Challenger Tour. Welche Unterschiede bestehen zwischen der Future Tour  und der Challenger Tour in Bezug Turnierablauf und Turnierorganisation?
Es sind Kleinigkeiten, die in der Summe dann ein etwas anderes Flair ergeben. Man spielt bei den Challengern ab der ersten Quali-Runde mit Ballkindern, Linienrichtern und Stuhlschiedsrichter, zudem kommt, dass man für jedes Training neue Bälle bekommt und jedes Match im Livestream übertragen wird, welches man sich dann auch anschließend in der Mediathek nochmal anschauen kann. Das sind alles Dinge, die helfen, sich weiterzuentwickeln. Das, meiner Meinung nach, Wichtigste ist aber, dass man von Spielern umgeben ist, von denen man sich das Eine oder Andere abschauen kann. Man sieht die dann im Shuttle, beim Frühstück und deren Matches. Man lernt, legt gleichzeitg aber auch den hinderlichen Respekt ab. Auch das tägliche Training mit solchen Jungs, die alle zwischen 70 und 250 ATP stehen, ist natürlich klasse.

Dank ATP-Livestream konnte ich jedes Spiel auf der Challenger Tour von Dir verfolgen: Du hast Dich in der Türkei zweimal durch die Quali gespielt und das Achtelfinale erreicht. Anschließend ging es nach Vietnam, wieder durch die Quali und in der ersten Runde gegen Marcel Granollers (ehemals  ATP 19) ordentlich mitgehalten. In Ningbo/China bist du richtig auf der Challenger Tour angekommen,  hast zwei Top-200-Spieler besiegt und zum ersten Mal das Viertelfinale erreicht. Mir ist aufgefallen, dass Du Dich schnell angepasst, Deinen Stil auf ein höheres Niveau angehoben hast. Was sind die ausschlaggebenden Mittel, um auf dieser Ebene mithalten zu können?
Bei mir sind das hohe Level im Training durch die guten Trainingspartner und die Erfahrung der Coaches ganz wichtige Faktoren. Wenn du täglich mit Leuten trainierst, die Grand Slams spielen, verbesserst du dich fast zwangsläufig. Beim Future reicht es meist, den Ball im Spiel zu halten und wenig Fehler zu machen. Bei den Challengern fängt es langsam an, dass du einen Plan brauchst, wie du den Punkt aufbaust, um ihn zu gewinnen. Da brauchst du eine Waffe – am besten zwei. Wenn du das mitbringst, kann dir ein Coach, der 15 Jahre den Kohli trainiert hat schon sagen, wie du dein Spiel ungefähr aufziehen solltest.

Du hast aufgrund des Sieges beim Future in Überlingen und den guten Platzierungen bei den Challenger in der Türkei, Vietnam und China deine Ranglistenposition von 2014 bestätigt, kannst sie vielleicht sogar noch ausbauen. Welche Ziele hast Du noch bis Ende des Jahres und wie sieht  Deine weitere Planung aus.
In diesem Jahr wurde ich mitten in der Saison aus meinem gewohnten Umfeld gerissen und musste Trainer, Trainingsstätte und Wohnort um mehrere 100 Kilometer verlagern. Wer mich kennt  weiß, wie wichtig mir ein ruhiges Umfeld ist. Das hat mich sicherlich, wie oben beschrieben, einige Wochen gekostet, wo ich einfach nicht voll bei der Sache sein konnte, weil ich zu viele andere Sachen zu organisieren hatte. Deshalb sehe ich dieses Jahr eher als Übergang, was die Rangliste angeht, an. Spielerisch habe ich sicher ein bis zwei Stufen (speziell in den vergangenen Wochen) drauf gelegt, was mich positiv in 2016 schauen lässt. Ich spiele dieses Jahr noch ein bis zwei Challenger und gehe dann in die Off-Season, wo ich mal ein paar freie Tage bei der Familie habe, um die Akkus nach einer langen Saison wieder aufzuladen. Ende November geht es dann in in die sechswöchige Vorbereitung, wo dann auch die Deutschen Meisterschaften reinfallen. Dort werde ich selbstverständlich wieder auflaufen. Vielleicht auch im Mixed.

Listing: Vielen Dank für das Gespräch und weiter viel Erfolg.

Masur: Gerne und Danke!

Kategorie: 

 © 2019 WTV - der innovative Tennis-Verband