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GWO-Sieger Begemann: „Ich würde gerne bei Olympia dabei sein“

GWO-Sieger Begemann: „Ich würde gerne bei Olympia dabei sein“

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In diesem Jahr läuft es rund für Andre Begemann (Fotos: Jürgen Hasenkopf): Nach seinem ersten Davis Cup Einsatz im Doppel gegen Frankreich, hat er nun auch sein Heimturnier in Halle/Westfalen zusammen mit dem Österreicher Julian Knowles gewonnen. Früher hat er nur einen Steinwurf von der Anlage in einem Appartment-Komplex gewohnt und in Halle/Westfalen trainiert. Zwei große Ziele hat er also 2014 schon abgehakt, einige hat er aber noch auf seiner Liste: die Olympia-Qualifikation und der Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier. Das hat der 29-Jährige im Interview verraten.

Für dich muss es doch etwas ganz Besonderes sein, in Halle, bei deinem Heimturnier, zu gewinnen?
Andre Begemann: Auf jeden Fall. Ich bin hier ja von der 10. bis zur 13. Klasse zur Schule gegangen, habe auch mein Abitur hier gemacht und hier trainiert. Von meinem 17. bis zum 19. Lebensjahr habe ich auch hier gewohnt, im letzten Schuljahr bin ich von zuhause gependelt, da es ja nur 40 Kilometer bis dort sind. Da ich aus Ostwestfalen-Lippe komme, könnte ich kein anderes Turnier als Heimturnier bezeichnen. Bei dem Sieg in Düsseldorf habe ich die Düsseldorf Open zwar auch als Heimturnier bezeichnet, aber nur, weil es nicht so viele ATP-Turniere in der Nähe gibt. Es ist natürlich schön, in der Nähe des Heimatortes spielen zu können, wenn die eigene Familie und Freunde mal da sind, will man sich natürlich auch beweisen.

Spielst du besser oder schlechter, wenn Familie und Freunde vor Ort sind?
Begemann:
  Ich lade gerne Freunde und Familien zu meinen Spielen ein. Auch, als die Davis Cup Partie in Frankfurt war, habe ich überlegt, wem ich Bescheid geben kann. Letzten Endes hatte ich 55 Leute eingeladen, musste im Nachhinein aber gar nicht spielen. Also war das kein gutes Omen. Ich denke nicht groß darüber nach, sondern freue mich, wenn Familie und Freunde da sind. Ich habe das Gefühl, immer, wenn sie da sind, spiele ich besser. Anscheinend hilft es mir.

Beim zweiten Mal hat es dann mit einem Auftritt im Davis Cup geklappt und du durftest in Frankreich für Deutschland spielen. Damit ist ja schon mal ein Traum in Erfüllung gegangen – aber du hast dich auch während der Partie verletzt. Das war wahrscheinlich eine Achterbahn der Gefühle?
Begemann:
  Das war schon etwas ganz Besonderes für mich. Wenn man sich meinen langen Weg über viele Umwege so anschaut, ist das schon unglaublich gewesen, dass ich mit 29 noch Davis Cup spiele. Nach dem Abi  habe ich ja mit Anfang 20 erst einmal eine Ausbildung bei der Sparkasse angefangen. Dann kam ein unglaubliches Angebot aus den USA und ich ging aufs College. Mit 25 hatte ich meinen Bachelor in der Tasche und habe zu dem Zeitpunkt mein bestes Tennis gespielt. Da habe ich beschlossen, es auch einmal auf der Tour zu versuchen und stand dann nach einem Jahr auf Weltranglistenposition 160, habe Bundesliga gespielt und so nahm alles seinen Lauf. Ich hatte meine Ziele im Einzel, aber als ich im vergangenen Jahr auf Position 39 im Doppel stand und in alle Grand Slams rein kam, habe ich mich dazu entschlossen, nur noch Doppel zu spielen. Der Davis Cup war immer mein Ziel, aber eben auch ziemlich weit weg, aber ich habe kontinuierlich weiter daran gearbeitet und nie aufgegeben. Als der Traum in Erfüllung gegangen ist, war das ein unglaubliches Gefühl. Ich war natürlich sehr happy auf der einen Seite, die Verletzung hat mich auf der anderen Seite schon aus der Bahn geworfen. Am Ende hat sie mir aber wohl auch ein bisschen die Nervosität genommen. Denn danach habe ich besser gespielt, aber es hat trotzdem nicht gereicht. Alles in allem war der Davis Cup aber das größte Erlebnis in meiner Karriere.

Und mit dem Sieg in Halle ist ein weiterer Traum in Erfüllung gegangen?
Begemann:
Auf jeden Fall! Ich weiß noch, wie ich hier trainiert habe.  Das war vor zehn Jahren. Und jetzt habe ich das Turnier hier gewonnen!

Bei deinem Sieg hattest du ja auch einen neuen Glücksbringer an deiner Seite – deine neue Head-Tennistasche aus Jeansstoff, die es exklusiv bei Tennis-Point zu kaufen gibt. Um die werden dich sicher viele beneiden.
Begemann:
Das ist eine super Sache, die Tasche ist limitiert, selbst Roger Federer hat mich darum beneidet. Generell fühle ich mich sehr wohl bei Tennis-Point, viele Mitarbeiter haben mich auch hier bei dem Turnier unterstützt. Da gebe ich auch gerne etwas zurück.

Du hast in Halle mit Julian Knowles gespielt, wird der Österreicher dich auch in den nächsten Turnieren, darunter Wimbledon, begleiten?
Begemann:
Nein, ich werde die nächsten Turniere mit dem Tschechen Lukas Rosol spielen, das hatten wir schon vor Wochen abgemacht. In Halle wollte ich ursprünglich mit Tim Pütz an den Start gehen, mit dem ich auch das Heilbronner Challenger gewonnen hatte.

„Momentan möchte ich mich als Tennisspieler verbessern“

Dadurch, dass du ja zwischendurch auch bei Challenger-Turnieren an den Start gehst, ist der Partnerwechsel ja quasi vorprogrammiert. Strebst du denn künftig an, wieder mit einem festen Doppelpartner zu spielen, nachdem du und Martin Emmrich euch vor ein paar Monaten getrennt habt?
Begemann:
Das mit Martin ist abgeschlossen, wir hatten zwei gute Jahre. Das war, was das Doppel angeht, eine super Partnerschaft. Wir haben viel zusammen erlebt und haben früher ja auch schon in Halle Wohnung an Wohnung gewohnt. Momentan möchte ich mich auf mich selbst konzentrieren, als Tennisspieler besser werden und an meinen Qualitäten arbeiten. Dafür habe ich mir jetzt gute Einzelspieler ausgeguckt, damit ich mit denen auch trainieren kann. Wo ich am Ende des Jahres stehe und ob dann wieder neue Anfragen kommen, weiß ich nicht. Was die nächsten Jahre angeht, möchte ich auch wieder mit einem Doppelspieler spielen, aber momentan bin ich glücklich, dass ich mit Einzelspielern auflaufen kann. Für die Woche in Halle war das mit Julian eine super Kombination und vielleicht ergibt sich daraus in Zukunft auch noch mal was. Momentan liegt der Fokus auf mir selbst, aber ich pusche trotzdem das Team und mag auch diese Teamatmosphäre. Das war es auch, was Martin und mich ausgemacht hat.  

„Der gemeinsame Auftritt im Davis Cup ist immer noch ein Ziel von uns“

Viele Fans waren ja nach Martin und deiner Trennung sogar etwas geschockt, aber bei euch beiden schwang ja auch immer ein bisschen Wehmut mit, dass ihr nie zusammen Davis Cup spielen konntet, sondern stets nur einer, weil ja immer nur vier Spieler gemeldet werden dürfen und Carsten Arriens das Risiko zu groß war, auf zwei reine Doppelspieler zu setzen.
Begemann:
Das hat uns auch nicht geholfen. Der Teamchef hat uns gesagt, dass er uns als Team gut findet, aber so lange wir auf Grand-Slam-Ebene kein gutes Ergebnis erzielen, Top 20 stehen und auch Top 10 Leute schlagen können, würde es schwer für uns im Davis Cup zu spielen. Das hat natürlich irgendwo dieses Konkurrenzdenken hervorgerufen. Wir haben uns das gegenseitig gegönnt, wollten aber auch jeder für sich Davis Cup spielen. Es ist immer noch ein Ziel und ein Traum von uns, dort irgendwann einmal zusammen aufzulaufen, aber momentan ist dieser in weite Ferne gerückt. Wir sind aber weiterhin gut befreundet. Man weiß auch nie, was am Ende des Jahres ist. Momentan haben wir aber nicht daran geglaubt, weiterhin erfolgreich zu spielen. Deshalb gehen wir erst einmal getrennte Wege, auch wenn`s schade ist. Wichtig ist, dass die gute Freundschaft nicht kaputt geht.

„Vielleicht kann ich ja als Praktikant – wie Elton damals – bei Eurosport eine zweite Karriere starten“

Du bist beim Davis Cup erst einmal durch deinen Einsatz, aber auch durch deine Medienpräsenz – du hattest deine eigene Kolumne während der Zeit – einer größeren Masse bekannt geworden. Es sah aus, als würde dir das Ganze auch großen Spaß machen. Wäre eine Karriere in den Medien etwas für die Zeit nach dem Profisport?
Begemann:
Ich hätte nichts dagegen, ich habe auch schon einmal mit Matthias Stach gesprochen, dass ich gerne einmal unter seinen Fittichen etwas machen würde. Vielleicht kann ich ja noch mal als sein Praktikant – wie Elton damals (bei Stefan Raab, d.Red)  – bei Eurosport oder einem anderen Sender eine zweite Karriere starten. Da hätte ich nichts gegen. Momentan liegt der Fokus auf dem Sport, aber für mich ist es zwischendurch schön, mich ein bisschen abzulenken und den Leuten als Insider ein paar Background-Infos liefern kann. Es ist ja für viele auch einmal schön zu sehen, wie bespannen die ihre Schläger, wie ernähren die sich und was machen die sonst an einem Tag. Ich denke, das ist ganz gut angekommen und ich freue mich über das positive Feedback. Ich habe studiert und mache das auch ganz gerne, das nimmt halt nur immer etwas Zeit in Anspruch. Der Fokus liegt jetzt aber auf meinen Zielen, ich will bald in den Top 20 stehen und würde auch gerne bei Olympia dabei sein. Dafür muss man Top 11 als Doppelspieler in der Welt sein. Daran arbeite ich jetzt. Und irgendwann würde ich auch gerne noch einen Grand Slam Titel gewinnen.

Interview: Simone Zettier

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