Main menu

Nach drittem Platz beim Team WM in Umag: Interview mit Manon Kruse

Nach drittem Platz beim Team WM in Umag: Interview mit Manon Kruse

Artikelbild: 

Bei der Team WM in Umag hat Deutschland bei den U35 Seniorinnen, dem so genannten Suzanne Lenglen Cup, den dritten Platz geholt, mit zum Team gehörte die Zweitbundesligaspielerin des TC Union Münster, Manon Kruse aus Hamm, die zum ersten Mal bei einer Weltmeisterschaft dabei war und im Interview ihre Premieren-Eindrücke schildert.

Ihr habt als Team den dritten Platz erreicht. Erst einmal Glückwunsch dazu. Mit welchen Erwartungen seid Ihr nach Umag gefahren?
Manon Kruse:
Ja, vielen Dank für die Glückwünsche. Unsere Erwartungen waren vor der Weltmeisterschaft sehr hoch. Schließlich war Deutschland ja auch der Titelverteidiger. Ich möchte behaupten, da wollte man dieses Jahr auf Nummer sicher gehen und hat eine besonders starke Mannschaft mitgenommen - mit Vanessa Henke an Position 1, Svenja Weidemann an 2, mir an Position 3 und Dominique Levin an 4.
Leider sind wir unseren eigenen Erwartungen wohl nicht so ganz gerecht geworden. Dennoch muss man natürlich sagen, dass so eine Bronze-Medaille bei einer Weltmeisterschaft schon etwas ganz Besonderes ist. Für drei von uns war es ja auch die erste Teilnahme bei der Mannschafts-WM. Da hat man vielleicht sogar auch noch im Alter von 35 Jahren etwas mit den Nerven zu kämpfen. Da wir ja am Ende auch noch das Spiel um Bronze gewinnen konnten, durften wir die WM immerhin mit einem positiven Erlebnis abschließen.


Vertraten den DTB in Umag: (vorn v.l.) Vanessa Henke, Svenja Weidemann, Dominique Levin und Manon Kruse zusammen mit Coach Wolfgang Gimbel (hinten)

So eine Weltmeisterschaft ist ja schon ein großes Ding. Wie hast du selbst das empfunden? Wie war die Organisation?
Kruse: Na klar, war die Weltmeisterschaft ein großes und auch besonderes Ding. Die Organisation war ziemlich komplex, zumal wir in einem Umkreis von knapp zwei Kilometern auf sehr vielen Anlagen gespielt haben. Da muss man schon eine Gegend finden, in der das platz- und hoteltechnisch überhaupt möglich ist. Es gab zu Beginn eine gelungene Eröffnungsfeier für die Teilnehmer und Zuschauer, in der Mitte der Woche ein gemeinsames Abendessen für alle Teams und am Ende die Medaillen-Zeremonie. Da hat man sich vor Ort schon viel einfallen lassen. Schön war auch, dass das Wetter gut mitgespielt hat.
Ganz besonders gut fand ich, dass es auf einigen Plätzen im ATP Stadion in Umag sogar einen Video-Livestream gab, über den man das ein oder andere Match live mitverfolgen konnte. In der Woche nach der Team-WM habe ich mir dort auch das Finalspiel der Damen 35 im Einzel angesehen - da spielte ja auch eine deutsche Vertreterin: Gitte Möller. Zu dem Zeitpunkt war ich allerdings schon wieder zuhause, um mit dem TC Union in der 2. Bundesliga aufzuschlagen.

Wie hast du das Turnier erlebt? Habt ihr auch viel mit den anderen Teams zu tun gehabt?
Kruse: Das Turnier war schon mal etwas ganz Neues und auch Schönes. Man hat sehr viele Spieler auch aus anderen Ländern kennengelernt oder nach langer Zeit mal wiedergesehen. Insgesamt würde ich schon sagen, dass die meisten in dem Alter zwar immer noch einen sportlichen Ehrgeiz besitzen, aber das Ganze doch deutlich entspannter sehen, als das leider oftmals bei den Aktiven der Fall ist. Ich kann mich tatsächlich nicht daran erinnern, dass wir auch nur einmal Streit wegen Entscheidungen auf dem Platz hatten. Und das obwohl im Alter die Augen ja eigentlich nachlassen...

Wie war der Teamgeist untereinander? Hattet ihr auch noch ein wenig Freizeit, um Umag etwas besser kennen zu lernen?
Kruse: Der Teamgeist war wirklich sehr gut. Das hatte ich aber auch bereits erwartet, bevor wir gestartet waren. Schließlich kannte ich meine Mannschaftskameradinnen ja auch schon vor der WM.
Mir sind ja ohnehin Mannschaftsspiele viel wichtiger als Einzelturniere. Und in dem Fall der WM war ich nicht nur Teil unseres Vierer-Teams. Vanessa, Svenja, Dominique und ich waren auch Teil des Deutschland-Teams inklusive der Damen 40 und 45 sowie der Herren 35, 40 und 45. Das war richtig nett. Da hat man sich auch gegenseitig unterstützt, wenn eine Mannschaft an einem Tag mal spielfrei hatte. Hierfür auch nochmal "Danke" an die anderen Teams! Viel Zeit, um Umag zu erforschen, blieb daher allerdings nicht...
Das Verhältnis untereinander war so gut, dass wir am letzten Abend noch ein ganzes Restaurant gebucht haben, damit alle Deutschland-Teams, einen schönen Abschlussabend zusammen verbringen konnten. Ein ganz liebes Dankeschön von uns Allen an dieser Stelle auch an Uwe Kaudinya, der den Abend hervorragend organisiert hat!!! 

War das eigentlich deine erste WM? Und können wir dich künftig öfter dort sehen? Was hast du dir für die nächsten Jahre vorgenommen? Einzel hast du nicht mehr gespielt – vor allem wegen deiner Damenmannschaft?
Kruse: Ja, es war meine erste WM. Ich würde sehr gerne wieder bei der WM spielen. Allerdings wird das eher schwierig in den nächsten Jahren.
Nur als Beispiel: die WM im nächsten Jahr findet in Südafrika statt. Leider ist es derzeit so, dass der DTB uns da in keinster Weise unterstützt. Naja, das ist vielleicht nicht ganz korrekt: der DTB zahlt die Startgebühren und stellt einen Trainingsanzug zur Verfügung. Den Aufdruck des Deutschland-Adlers sowie den Aufdruck "Germany" mussten wir allerdings selber bezahlen. T-Shirts im Deutschland-Look, die im Übrigen bei einer WM Pflicht sind, mussten auch durch die jeweiligen Mannschaften oder Team-Captains selber organisiert werden. An dieser Stelle noch einmal "Besten Dank" für die Unterstützung durch die Firma Engelhorn Sports.
Unsere Damen 40 Mannschaft hat seine T-Shirts ebenfalls selber organisiert und hatte diese nicht mit dem regelkonformen "Germany" Aufdruck versehen. Die ITF hat daher berechtigter Weise sehr großen Ärger gemacht. Im Nachhinein, war man wohl auch auf Seiten der ITF überrascht, dass ein Land wie Deutschland nicht einmal in diesem Punkt seine Spieler unterstützt. Am Ende hat man - scheinbar auch etwas aus Mitleid - das Weiterspielen erlaubt.
In Summe habe ich für Anreise, Mietwagen und Hotel deutlich über 1.000 EUR bezahlt und bei meinen Mannschaftskameradinnen war es teilweise noch mehr. Der DTB hat uns da mit genau 0 EUR unterstützt. Während der WM haben wir uns mit einigen anderen Teams unterhalten, weil wir uns gefragt haben, ob wirklich jeder - selbst bei weiter Anreise aus den USA, Südafrika, Australien, Argentinien etc. - dazu bereit ist, das alles selber zu finanzieren. Leider oder evtl. auch Gott sei Dank mussten wir feststellen, dass wir fast das einzige Team waren, das bei der Reiseorganisation vollständig allein gelassen wurde.
Selbst für die Spanier, denen es ja bekanntlich finanziell nicht so gut geht, wurden Reisekosten etc. von ihrem Tennisverband gezahlt. Durchaus möglich, dass das auch erklären könnte, warum Spanien so viele Gold-Medaillen gewonnen hat.
Ich persönlich habe allerdings noch Glück gehabt, da der WTV mich hier anteilig unterstützt hat. In meinen Augen kann dies allerdings eigentlich nicht die Aufgabe der Landesverbände sein, wenn wir den DTB vertreten. Vielen Dank auf jeden Fall an den WTV!
Zur letzten Frage: Einzel und Doppel hätte ich sicherlich auch gerne gespielt. Aber ich habe wegen der Team-WM schon ein Mannschaftsspiel für die TC Union Mädels verpasst. Mehr konnte ich mit meinem Gewissen nun wirklich nicht vereinbaren. Die Team-WM hätte ich ganz sicher auch ausgelassen, wenn mir nicht alle meiner lieben Mannschaftskameradinnen das "Ok und bring 'ne Medaille mit" auf den Weg gegeben hätten.

Wie fällt dein persönliches Fazit aus?
Kruse: Zusammengefasst war die WM für mich ein ganz tolles Erlebnis mit eben genannter Einschränkung. Nehmen wir diese mal heraus, würde ich sagen, dass ich sehr gerne jedes Jahr an der WM teilnehmen würde. Es ist trotz allem für mich eine Freude und auch eine Ehre, mein Land vertreten zu dürfen.

Kategorie: 

 © 2019 WTV - der innovative Tennis-Verband