Main menu

Linda Puppendahls Weg ins WTV-Gästehaus

Linda Puppendahls Weg ins WTV-Gästehaus

Artikelbild: 

Mit dem WTV-Gästehaus in Kamen begann bei der Förderung der Jugendlichen im Verband eine neue Zeitrechnung: Ende 2009 wurde der Ganztagsbetrieb aufgenommen, sprich Leistungstraining und schulische Ausbildung konnten fortan an Ort und Stelle ausgeübt werden. Eine der ersten Bewohnerinnen, die davon profitierte, war Dinah Pfizenmaier aus dem 94 Kilometer entfernten ostwestfälischen Oerlinghausen. Mit dem Zug brauchte sie gut anderthalb Stunden nach Kamen, durch ihren Umzug ins Gästehaus gewann sie also drei Stunden Zeit pro Tag. Ähnlich ging es Daniel Masur, der einen noch längeren Anfahrtsweg hatte. Die eingesparte Zeit konnten sowohl Pfizenmaier als auch Masur ins Training investieren – mit Erfolg: Pfizenmaier schaffte 2013 erstmals den Sprung unter die Top100, muss derzeit verletzt pausieren. Auch Masur ist auf einem guten Weg, ist derzeit die Nummer 407 in der Welt, Tendenz weiter steigend. „Wir wollen unseren talentierten Athleten die Möglichkeit bieten, Schule, Leistungssport und Freizeit optimal miteinander zu vereinbaren. Dabei spielt die Zentralisierung eine entscheidende Rolle, dies wurde mit dem Gästehaus perfekt umgesetzt“, unterstreicht WTV-Vizepräsidentin Nachwuchsleistungssport Gerti Straub.

Marl ist mit 47 Kilometern gar nicht so weit entfernt von Kamen, aber auch für Linda Puppendahl ging es beim Einzug ins Gästehaus in erster Linie darum, Zeit zu sparen, um so oft wie möglich trainieren zu können. Denn obwohl Linda  gar nicht so weit weg gewohnt hat, hat sie es nie vor 17.15 Uhr zum Training geschafft – was zum einen am Nachmittagsunterricht lag, zum anderen daran, dass auch ihre Mutter auch noch ihre beiden jüngeren Brüder zum Training bringen musste. Ihre Brüder spielen Fußball und so hatte Lindas Mutter ein volles Trainings-Taxi-Programm und Linda selbst blieben täglich nur 90 Minuten, um zu trainieren, da ihre Mutter ihre drei Kinder nach dem Training ja auch wieder einsammeln musste. Linda war gerade neun Jahre alt, als das Gästehaus eröffnet wurde, aber vom ersten Moment an Feuer und Flamme dafür. Zwei Mal in der Woche war sie in Kamen zum Verbandstraining und jedes Mal kam sie am Gästehaus vorbei und wünschte sich nichts sehnlicher, als selbst einmal dort einzuziehen. Im September 2013 war es dann soweit, Lindas Wunsch wurde wahr und auch ihr Einzug hat sich ausgezahlt. Seitdem sie jede freie Minute auf dem Platz oder im Kondiraum verbringt und meist nicht vor 20 Uhr die Halle verlässt, kletterte sie auf der Rangliste stetig nach oben – bei den U16 Juniorinnen ist sie mittlerweile die Nummer sechs in Deutschland, auf der ITF-Junioren-Rangliste hat sie sich durch ihren Turniersieg in Marokko Ende November bis auf Position 312 hochgespielt.

Doch wie genau verlief Lindas Weg ins Gästehaus?
Wie alle anderen Athleten auch hat sie die üblichen Stationen durchlaufen, vom Kreis- über Bezirks- bis hin zum Verbandstraining in Kamen. Angefangen hat die heute 15-Jährige im Alter von vier Jahren, wo sie in einem Ferienspaß-Camp ihre Liebe zum Tennis entdeckte. Schon früh wusste sie, dass sie versuchen will, weit in dem Sport zu kommen. Schritt für Schritt hat sie sich nach vorne gekämpft. In der Altersklasse U9 nahm sie im Sommer 2008 an einer Sichtung im WTV teil und hinterließ Eindruck, so dass sie im folgenden Winter zwei Mal wöchentlich ins Bezirkssichtungstraining aufgenommen wurde. Bis zum Winter 2009/2010 hatte sie zwei Mal in der Woche Bezirkstraining. Dann hat sie sich in Absprache mit ihren damaligen Trainern, den Verbandstützpunkttrainern Peter Weiß und Stefan Masson eine Auszeit vom Bezirkstraining genommen, da sie zu jenem Zeitpunkt ihre Emotionalität nicht im Griff hatte. Peter Weiß beschreibt diese Phase so: „Sie war sehr verbissen und dabei oft zu enttäuscht von sich selbst, dass sie sich selbst im Weg stand.“  Doch die Tür für Linda stand immer offen, Linda und ihre Mutter hielten auch in der Pause im Sommer 2010 stets den Kontakt mit den Trainern. Im Winter 2010/11 wurde sie dann erstmal „auf Probe“ wieder aufgenommen – eine Chance, die sie nutzte: Sie überzeugte die Trainer durch ihren „großen Willen und ihren Ehrgeiz“. „Sie tat alles, was möglich war, um sich ihren Traum zu verwirklichen. In der Pause war sie zu einer sehr selbstständigen jungen Athletin herangereift. Daraufhin wurde ihr Training von einmal auf vier Mal wöchentlich plus Einzeltraining aufgestockt. Im Winter 2012/2013 wurde sie dann ins Verbandstraining integriert, zudem empfahlen Weiß und Masson, sie ins Gästehaus aufzunehmen. Denn Linda arbeitete mithilfe ihrer Trainier weiter akribisch an sich, zudem sie passte aufgrund ihrer schulischen Leistungen und ihrer Art perfekt in die Tennis-Wohngemeinschaft: Denn sie fällt stets durch ihr sonniges Gemüt auf, ist sehr kontaktfreudig und ein echter Kumpeltyp. Alles Argumente, die schließlich die Verantwortlichen um Gerti Straub und WTV-Cheftrainer Jens Wöhrmann überzeugt haben, Linda ins Gästehaus aufzunehmen. Eine Entscheidung, die sich gelohnt hat. Anfangs kannte kaum keiner der restlichen Bewohner die lebenslustige Marlerin richtig, doch das sollte sich schnell ändern. Schnell hat sie im Haus Freundschaften geschlossen und auch auf dem Platz Ausrufezeichen gesetzt. Ihre Leistungssteigerung führt Linda zu 100 Prozent aufs Gästehaus zurück. Damit ist sie die Nächste im Bunde, die von der zentralisierten Förderung profitiert. Einen Traum hat sie sich mit ihrem Einzug bereits erfüllt, ein weiterer Traum von ihr ist eines Tages in den Top 10 zu stehen. Wir sind gespannt, wohin ihr Weg noch führt.

Kategorie: 

 © 2018 WTV - der innovative Tennis-Verband