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Inklusion mehr als nur ein Wort: Das Tennis-Projekt für geistig behinderte Menschen der TuRa Elsen

Inklusion mehr als nur ein Wort: Das Tennis-Projekt für geistig behinderte Menschen der TuRa Elsen

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Für viele ist Inklusion nur ein Wort. In der Tennisabteilung der TuRa Elsen ist diese aber ein klares Ziel vor Augen. Erst Ende des vergangenen Jahres haben sich die Verantwortlichen überlegt, ein Tennis-Projekt für geistig behinderte Menschen auf die Beine zu stellen. Bereits am 19. Februar fand das erste Training statt, im Sommer sollen bestenfalls nicht behinderte und behinderte Menschen im Rahmen eines Juxturniers oder eines Tennisnachmittags auf der Anlage der TuRa Elsen zusammen spielen.

Schon nach acht Wochen mit der gelben Filzkugel verzeichnen die acht Teilnehmer die ersten Erfolge, der Ball geht schon mehrere Mal übers Netz, auch an den Aufschlag haben sie sich schon heran gewagt. DTB-B-Trainer Henrik Menger hat die geistig Behinderten behutsam an den weißen Sport heran geführt – mit großen Bällen, Rollübungen oder auch mithilfe von Luftballons. Es ist das erste Mal, dass der angehende Grundschullehrer eine Gruppe von geistig Behinderten trainiert: Er geht mit großem Einfühlungsvermögen an die Sache ran, versucht aber gleichzeitig seine besonderen Schüler normal zu behandeln. Diese danken ihm das mit großer Begeisterung. „Die nehmen alles dankbar an, was man im Training macht und freuen sich über einen guten Ballwechsel. Das ist im normalen Training häufig nicht so“, erklärt der 25-Jährige.


Freude am Spiel mit dem Tennisball haben (v.l.) Carola Lokume, Christopher Gruhn, Rene Köchel, FSJler vom Stadtsportverband Paderborn, Christopher Gruhn, Heinz Bokel (Abteilungsleiter TuRa Tennis), Sabrina Heisener, Manuel Mehring und Henrik Menger (Trainer TuRa)

Auch Birte Thronberens von den Schlosswerkstätten Paderborn, in denen die geistig Behinderten eine Ausbildung machen oder arbeiten, kann den Spaß ihrer Schützlinge förmlich spüren: „Sie freuen sich die ganze Woche auf die Einheit am Montag und sind auch an dem Tag sehr ausgeglichen. Wir in der Werkstatt profitieren da also durchaus auch von.“ Bis zu zwei Mal pro Woche haben die Behinderten der Schlosswerkstätten die Möglichkeit, im Rahmen einer AG Sport zu treiben, sie können aber auch kreative Angebote wahrnehmen. Angebotene Sportarten sind beispielsweise Fußball, Bewegungsspiele, Schwimmen, Leichtathletik, Gymnastik, tanzen, Wirbelsäulengymnastik und Radfahren. Tennis ist das erste Rückschlagspiel, das die Behinderten ausprobieren können. „Menschen mit Behinderungen haben oft Wahrnehmungs- und Koordinationsstörungen, Tennis kann das ein wenig ausgleichen“, ist sich Thronberens sicher.

Im Gegensatz zu anderen Kursen gibt es beim Tennis auch eine Warteliste – was natürlich einerseits der Kapazitäten geschuldet ist, andererseits aber auch der Beliebtheit des Sports. „Die Behinderten lieben es, wenn sie sich mal richtig auspowern können. Das ist natürlich etwas anderes als ein Bewegungsspiel“, so die 33-jährige Sozialarbeiterin, die seit sechs Jahren im sozialen Dienst der Schlosswerkstätten arbeitet und seit zwei Jahren direkte Ansprechpartnerin für die TuRa Elsen ist. Der Gesamtverein mit all seinen Abteilungen hat 2900 Mitglieder, davon allein 400 Behinderte.

Angefangen hat alles vor mehr als 30 Jahren im Jahr 1981 mit Familienfreizeiten. Eva Kremliczek, die selbst eine behinderte Tochter hat, die auch in der Tennisgruppe mittrainiert, ist von Anfang an mit dabei. Aus den Freizeiten sind regelmäßige Treffen zum Sport an Samstagvormittagen entstanden. Die Idee dahinter war immer der Austausch untereinander. Denn dieser trägt dazu bei, die eigene Situation ein wenig leichter zu machen. Irgendwann suchte die Gruppe nach einem Verein. „Wir wollten keinen eigenen Behindertenverein aufmachen, weil wir immer wollten, dass man uns voll integriert. Von der TuRa wurden wir damals mit offenen Armen empfangen“, erklärt Kremliczek.

Seitdem hat sich eine Erfolgsgeschichte entwickelt. Gerade in den Sportarten Leichtathletik und Schwimmen sind die behinderten Sportler des Vereins sehr gut unterwegs und konnten schon zahlreiche Titel auf nationaler und internationaler Ebene einfahren. Möglich ist das auch unter anderem dank der Stadt Paderborn, die den Behindertensport großzügig unterstützt und Übungshallen bereitstellt. Die Tennishalle für das Projekt sowie das Material wird in diesem Fall von der TuRa gestellt. Noch steht die Tennis-AG am Anfang, die Verantwortlichen hoffen aber auf viele Nachahmer – auch in anderen Sportarten – und stünden auch mit Rat und Tat zur Seite. Und es ist gut möglich, dass in nicht allzu ferner Zukunft bei den „Special Olympics“ auch Teilnehmer aus dem Raum Paderborn im Tennis an den Start gehen.

Freuen sich alle über das in kurzer Zeit Erreichte: (v.l.) Henrik Menger (Trainer TuRa), Manuel Mehring, Katja Kubitzki, Carola Lokume, Sabrina Heisener, Stephanie Kremliczek, Rene Köchel, FSJler vom Stadtsportverband Paderborn, Christopher Gruhn (bis auf Rene Köchel alle Behindertensportler) sowie Heinz Bokel (Abteilungsleiter TuRa Tennis)

 

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